Die vierte Dimension des Hostens

Jeder, der schon an einem Art of Hosting-Training teilgenommen hat, kennt die vier Dimensionen des Hostens: Host yourself, Participate, Host conversations, Practice Community of Learners. Ins deutsche übersetzt mit: Präsent sein, auf Gespräche einlassen, zu Gesprächen einladen, eine Gemeinschaft von Lernenden bilden.

Diese vier Dimensionen sind eines der Kernstücke von Art of Hosting. Leider kommt es – aus unterschiedlichen Gründen – in den Trainings häufig zu kurz, um tiefer einzusteigen. Mir ist es besonders wichtig, hier mal über die vierte Dimesnion des Hostens zu sprechen. Vorallem habe ich als Aufgabe aus dem letzten Training mitgenommen, die Quellen für die Community mal aufzuschreiben. Was ich hiermit tue. Am Ende des Artikels gehe ich noch mal auf meine persönliche Sicht der Dimensionen und der Übersetzung der aus dem Englischen stammenden Begriffe ein und lade damit gerne zu einem weiterführenden Gespräch ein. Zunächst jedoch zur vierten Dimension.

Die vierte Dimension des Hostens

„Practice community“ oder ins Deutsche übersetzt: „eine Gemeinschaft von Lernenden bilden“. Worum geht es dabei? Art of Hosting ist keine Firma, keine Organisation, kein Verein. Es gibt keine feste Struktur und auch keine offizielle Mitgliedschaft. Der Ursprung ist aus der Frage heraus entstanden: Was macht partizipative Prozesse erfolgreich? Und natürlich gibt es darauf keine abschließende Antwort. Es haben sich Menschen zusammengefunden, die sich ausgetauscht haben und Art of Hosting in einem partizipativen Prozess ins Leben gerufen haben. Manche sagen Art of Hosting ist ein Netzwerk; manche bezweifeln das. Ich denke, Art of Hosting ist eine Idee, die je nach Teilnehmendem ganz unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Wenn Du Dich dafür interessierst, partizipative Prozesse erfolgreich zu machen, dann kannst Du Teil der Community sein. Man spricht auch davon, dass es eine Art of Hosting-DNA gibt. Viele von uns, die länger dabei sind, können per Gefühl sagen: „Das ist AoH“ oder „Das fühlt sich nicht so an“. Für mich ist es eine Community, die die Idee von erfolgreichen, partizipativen Prozessen gemeinschaftlich weiter entwickeln möchte.

Aus der oben genannten Frage heraus haben sich Menschen zusammen gefunden, die jeder auf seine Art und Weise das Feld der Community halten. Sie haben ein gemeinsames Wissen und Weißheit entwicklelt und teilen dieses offen untereinander (OpenSource-Gedanke). Das ist der erste Aspekt von „eine Gemeinschaft von Lernenden bilden“ für mich: Du kannst das Wissen der Community für Dich nutzen. Dieses Wissen steht als OpenSource zur Verfügung. Nimm es, lerne und entwickle Deine Kunst des Hostens daraus. Wenn Du in Deinem Tun etwas Neues entdeckst, dann gib es ebenso freizügig in die Community zurück. So bleibt die Community lebendig und kann sich weiter entwickeln.

Der zweite Aspekt ist der Vernetzungs-Aspekt. Wenn man ein Training besucht hat, wird man Teil der Community. Ein Training ist sozusagen die „Eintrittskarte“. Jedoch ist das erst der Anfang. Such Dir nach dem Training Deine persönliche Community. Vernetze Dich! Mit den Trainingsteilnehmern, lokal, virtuell! … Wie auch immer es für Dich stimmig ist. Wir sprechen ja von der Kunst des Hostens. Und das bedeutet, dass man die Fertigkeiten im Hosten erst durch das Praktizieren erlernt. Und dass man von und mit anderen gemeinsam lernt. Genau das ist dieser zweite Aspekt. Jemand der Art of Hosting praktiziert und kein eigenes Netzwerk von AoHlern hat, der wird viel in seinem eigenen Saft schwimmen und sich vermutlich schwer tun, die Kunst zu lernen. „Was bedeuten die verschiedenen „Techniken“, die man im Training gelernt hat?“ „Was macht es erfolgreich?“ „Wie ist das mit den Powerful questions?“ „Warum bin ich bei der von mir gehosteten Veranstaltung so auf die Schnauze gefallen?“ … Es gibt so viele Fragen, wenn man ins Tun eintaucht und immer wieder tun sich neue Aspekte und Fragen auf. Also bedeutet diese Dimension auch: vernetze Dich aktiv mit anderen. Bring Dich ein, stelle Fragen, organisiere ein gemeinsames Lernen oder auch gemeinsame Unterstützung im Tun. So hast an der weltweiten Community teil, weißt, was es Neues gibt und kannst Dich weiter entwickeln.

Quellen, um sich zu vernetzen

Und hier jetzt ein paar Quellenangaben, als Einstiegspunkte für die Vernetzung.

Offizielle Website

www.artofhosting.org

Die erste Quelle und zentraler Einstiegspunkt ist die offizielle Website von Art of Hosting. Die Website wird von einer Gruppe von Leuten gepflegt und betrieben. Es gibt die Website in verschiedenen Sprachen (u.a. deutsch). Hier findest Du neben grundsätzlichen Informationen zu AoH, die Liste der aktualisierten Trainings weltweit, eine Liste von lokalen Ansprechpartnern (Stewards), so wie verschiedene Links zu weiteren Informationsquellen.

Ning Plattform

artofhosting.ning.com

Die Ning Plattform ist die Community-Plattform von Art of Hosting. Es gibt dort Profile der Mitglieder, sehr viel Infos, viele unterschiedliche (Interessens- und lokale) Gruppen, Medien, Ressourcenliste und Links. Alles rund um Art of Hosting. Eine tolle Idee und es lohnt sich dort auf jeden Fall, dort mit einem Profil vertreten zu sein. Leider lebt die Plattform nicht so, wie es schön wäre. Das meiste spielt sich (leider doch) in der Facebook-Gruppe ab. Aber wenn Du wirklich mal was suchst und eine ernsthaftere Diskussion führen willst, bist Du dort richtig. Vor allem kannst Du auch lokal finden und gefunden werde, was von unschätzbarem Wert ist.

Facebook

AoH-Facebook-Gruppe

Das ist die offizielle, weltweite Facebook-Gruppe. Es gibt noch eine ganze Reihe von weiteren AoH-Gruppen entweder regional oder zu speziellen Themen. Anschließend aufgelistet eine lose, unvollständige Auswahl von Gruppen:

… und es gibt sicher noch einige mehr. Die lokalen Facebook-Gruppen sind natürlich ein perfekter Platz um sich zu vernetzen.

Mailingliste(n)

Es gibt zwei Mailinglisten. Eine allgemeine, weltweite Mailingliste. Du kannst Dich hier eintragen und auch alte Konversationen nachlesen. Hier werden per Mail verschiedene Themen diskutiert und Fragen gestellt und beantwortet. Um up to date zu sein, lohnt es sich, hier mitzulesen.

Die zweite Mailingliste ist für die Stewards reserviert. Stewards sind Menschen, die sich um die Community sorgen. Entweder indem sie lokal die Community unterstützen und als Ansprechpartner aktiv sind oder indem sie weltweit darauf achten, dass der Austausch stattfindet und die Idee hochgehalten wird.

Veranstaltungen – Community-Treffen, Salons, Praktikertage

Es gibt verschiedene Veranstaltungen, wo Du Dich mit anderen vernetzen kannst. Allen voran natürlich die Trainings. Immer mehr Trainings bieten auch einen Praktikertag an, d.h. der letzte Tag des Trainings ist offen für Praktiker aus der Community. Er dient dem Erfahrungsaustausch und dem vernetzen. Ebenso gibt es aber auch andere Treffen. GErade in Österreich haben sich viele Salons gebildet, die durch AoHler gehalten werden. Eine der ersten und eine Treiberin der Idee ist Ursula Hillbrand mit ihrem Bregenzer Salon. Daneben gibt es in Österreich eine Reihe weiterer Salons in den verschiedenen Stätten. Auch ein guter Anlaufpunkt ist das Büro für Zukunftsfragen in Bregenz. Sie veranstalten Trainings, Projektschmieden und vieles anderes mehr.

Es gibt sicher auch hier noch eine Reihe weiterer Veranstaltungen. Such in FAcebook, frag auf Ning, Du wirst sicher auch in Deiner Region fündig. Und wenn nicht: vielleiocht magst Du ja etwas ins Leben rufen?

Websites

Es gibt eine ganze Reihe von Websites, die von AoHlern betrieben werden. Da es für den Community-Gedanken eher nicht so relevant ist, habe ich jetzt hier keine Liste angelegt. Möchte es aber nicht unerwähnt lassen.

So weit ein Überblick über die Möglichkeiten sich zu (online) vernetzen. Und natürlich ist für mich immer noch die schönste und beste Art: direkt und persönlich miteinander reden, gemeinsam Qualitätszeit zu verbringen. In diesem Sinne wünsch ich Dir viel erfolg beim Vernetzen.

Nachsatz

Als Nachsatz und wenn Du ein bißchen tiefer in das Thema der vier Dimensionen des Hostens eintauchen möchtest, teile ich mit Dir hier meine ganz persönliche Einschätzung zu den Begrifflichkeiten der Dimensionen. Gerne lade ich Dich dazu ein, mit mir ins Gespräch zu kommen:

  1. Dimension: be present / host yourself. Genau das trifft es für mich im Kern. Es ist vorab ein aktives Tun, das nötig ist, um in den Gesprächen und beim Hosten im Moment präsent zu sein. Dazu bedarf es eben genau des Host yourself. Dir selbst ein guten Gastgeber zu sein. Das bedeutet, zu schauen, wie geht es mir? Was brauche ich? Was ist benötigt, dass ich präsent sein kann? Präsent sein bedeutet achtsam sein, wahrnehmen, nicht mit eigenen Prozessen beschäftigt sein; sondern seine ganze Aufmerksamkeit der Gruppe und dem Prozess zu widmen. Und die Erfahrung zeigt, dass es gut ist, wenn man dazu seine eigene, tägliche(!) „Praxis“ hat. Das bedeutet irgendeine Form, der Selbstzentrierung, eine Form, um sich seiner Selbst bewusst zu werden und in eine Achtsamkeit oder auch Durchlässigkeit zu kommen. Diese Praxis kann für jeden anders sein: Meditieren, beten, laufen, schreiben. Was auch immer. Etwas, was Dich zu Dir selbst kommen lässt und dass Du regelmäßig und dauerhaft tust. Mein Begriff dafür (englisch und deutsch): Host yourself
  2. Dimension: Participate. Oder auch be hosted. Da geht es wirklich darum, sich auf Gespräche, auf einen Prozess einzulassen, sich aktiv einzubringen und zum Gelingen beizutragen. Ebenso geht es darum zu üben, an tiefgreifenden Gesprächen teilzunehmen. In unserer heutigen Zeit ist es nicht mehr so üblich, dass man sich auf Gespräche einlässt, zuhört, versteht, dahinter blickt. In Zeiten von Facebook und Twitter wird alles auf Headlines von 140 Zeichen reduziert und möglichst reisserisch dargestellt, damit es Aufmerksamkeit erregt. Auf Gespräche einlassen ist genau das Gegenteil davon. Das heißt, langsam werden, hinhören, keine Antworten oder Bewertungen parat haben, sondern etwas auf sich wirken lassen und der eigenen inneren Bewegung zu folgen. Genau das ist ja auch die Idee der Salons, die in den letzten Jahren entstanden sind. Ein Raum, in dem es möglich ist, gemeinsam tiefgreifende Gespräche zu üben. Insofern wäre für mich eine schöne Übersetzung: auf Gespräche einlassen. Englisch gefällt mir Participate sehr gut.
  3. Dimension: Host conversations. Übersetzung: Zu Gesprächen einladen. Hm, das ist das wirkliche Tun im Hosting, das ist der Kern der partizipativen Prozesse, um die es geht. Es ist das Räume schaffen. Die ersten beiden Dimensionen sind Vorbereitungen dafür. Die vierte ist die weiterführende Verbindung nach außen. Hier tun wir das, was man von außen betrachtet als Art of Hosting sieht. Es ist der sichtbare Teil der Kunst, die aber alle vier Dimensionen umfasst. Meine Übersetzung ins Deutsche, ebenso wie im englischen wäre ganz schlicht: Hosting
  4. Dimension: Practice community trifft es gut. Zu deutsch: Eine Gemeinschaft von Lernenden bilden. Ansonsten siehe oben.